Ein Interview über Qualität, Verantwortung und die Frage, was gute Physiotherapie wirklich ausmacht.
Nach über 25 Jahren als Physiotherapeut und Unternehmer blickt Peter Roth heute anders auf Qualität, Verantwortung und Entwicklung. Im Gespräch erklärt er, warum gute Physiotherapie nicht nur von der einzelnen Behandlung abhängt, sondern von Haltung, Klarheit und einer gelebten Teamkultur.
| Herr Roth, wann haben Sie gemerkt, dass gute Physiotherapie allein nicht reicht?
Nicht in einem einzigen Moment, sondern schrittweise. Irgendwann wurde mir klar: Es reicht nicht, selbst gute Entscheidungen zu treffen. Entscheidend ist, dass Qualität auch dann entsteht, wenn ich nicht im Raum bin.
| Was verändert sich, wenn man vom Therapeuten zur Führungsperson wird?
Die Aufgabe verschiebt sich. Früher wollte ich selbst Lösungen finden. Heute geht es stärker darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem andere gute Lösungen entwickeln können. Die eigene fachliche Kompetenz bleibt wichtig – aber sie bekommt eine andere Funktion.
| Ergeben viele gute Therapeuten automatisch ein gutes Team?
Nein. Gute Einzelpersonen machen noch keine gute Praxis. Wenn jeder unterschiedlich denkt, dokumentiert und kommuniziert, wird Qualität schnell zufällig. Individualität ist wichtig – aber gewisse Standards dürfen nicht vom Zufall abhängen.
| Wird Führung in Praxen manchmal mit Kontrolle verwechselt?
Ja, das passiert schnell. Für mich geht es aber nicht um Kontrolle, sondern um Orientierung. Menschen sollen eigenständig arbeiten können – aber innerhalb eines klaren Rahmens.
| Welche Rolle spielen Assessments und Re-Assessments?
Sie helfen, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Nicht als Bürokratie, sondern als Instrument, um Fortschritt sichtbar zu machen und Therapie gezielt anzupassen.
| Was mussten Sie persönlich als Führungsperson lernen?
Nicht jedes Problem selbst zu lösen. Langfristig wächst ein Team nur, wenn Menschen Verantwortung übernehmen dürfen und sich entwickeln können.
| Woran erkennt ein Patient eine gut geführte Praxis?
Oft gar nicht direkt. Aber er spürt, ob Informationen weitergegeben werden, ob die Therapie einen roten Faden hat und ob auf Veränderungen sauber reagiert wird.
Abschliessende Gedanken «Vielleicht beginnt gute Physiotherapie schon lange bevor der Patient auf der Behandlungsliege sitzt.»